"Mami, ich habe wegen der Drohnen am Himmel Angst. Es gibt viele davon. Ich kann sie hören. Ich sehe auch einen Helikopter. Bitte beeil dich und kommt her." Mamoun Aldam war ein 12-jähriger Bub und rief mit dem Handy seine Mutter, Amna Aldam 52, am Mittwoch den 20. Juni 2012 an. Um ca. 14:30 Uhr, kurz nach dem seine Eltern bei ihm ankamen, wurde Mamoun durch eine israelische Rakete getötet, die auf das Land der Familie im Al-Zeitoun Gebiet von einer Drohne abgefeuert wurde. Sein blinder Vater, Mohamed Aldam 67, wurde durch den Angriff schwer verletzt.

Am Tag des Angriffs hatte Mamoun jemanden das Land welches zum Bauernhofs gehört gezeigt. Die Mutter Amna erinnert sich: "Wir wollten einen Lagerraum auf unserem Bauernhof bauen. Die Person die wir dafür engagiert hatten wusste nicht wo unser Bauernhof war, deshalb zeigte Mamoun es ihm. Die Person ging dann wieder und Mamoun blieb zurück und wartete auf uns."
Nach dem Anruf eilten die Eltern zum Bauernhof. Sie sassen unter einem Baum um auszuruhen und etwas Schatten zu bekommen. Sie rechneten mit keinem Angriff von den Drohnen die über sie kreisten. "Wir waren nicht bewaffnet. Wir sind Zivilisten. Die Bäume auf dem Bauernhof waren erst kürzlich eingepflanzt worden und deshalb sind sie noch klein. Jeder konnte von oben sehen, wir waren nur Zivilisten, deshalb erwarteten wir nicht angegriffen zu werden."
Mamoun machte für seine Eltern einen Kaffee und dann begann er mit seinem Fussball zu spielen. "Er spielte etwa 20 Meter von uns entfernt und ich bat ihn zurückzukommen. Plötzlich hörte ich eine Explosion. Ich sah Staub, Rauch und Feuer wo Mamoun gerade gestanden hatte. Ich hörte ihn einmal schreien und dann wurde er still. Ich rief mehrmals nach ihm, aber er hat nicht geantwortet."
Amna rief verzweifelt nach ihrem Sohn und rannte zum Ort wo er gerade noch gespielt hatte. "Überall war Staub und ich konnte nichts sehen. Als ich endlich Mamoun entdeckte, lag er auf dem Boden und es war viel Blut um ihn herum. Seine Beine waren abgerissen. Schrapnell war in seinem ganzen Körper eingedrungen. Seine Kleidung war verbrannt und er war fast nackt. Er war tot!"
Amna erinnert sich wie sie andere Frauen aus der Nachbarschaft schreien hörte, als sie den Körper ihres Sohnes aufhob. "Ich hielt ihn und brachte ihn zu seinem Vater, damit er ihn berühren und sich von ihm verabschieden konnte. Ich fand meinen Ehemann wie er stark aus dem Kopf blutete. Er berührte seine Stirn und fragte ob es Schweiss sei. Seine linke Hand und rechtes Bein bluteten auch. Er ist Diabetiker und hat hohen Blutdruck, deshalb dachte ich, er wird wegen dem vielen Blut noch sterben. Ich schrie nach Leuten damit sie kommen und uns helfen."
Zwei Ambulanzen kamen auf den Bauernhof kurz danach und fuhren sie im Eiltempo Mohamed ins Spital. Sie nahmen auch was von Mamouns Körper übriggeblieben war mit. Amna blieb zurück. "Es lagen Teile des Körpers meines Sohnes überall herum. Ich blieb dort und begann die Fleischstücke in einer Tasche aufzusammeln. Andere Frauen kamen und halfen mir."
Trotz seiner Verletzungen weigerte sich Mohamed im Spital zu bleiben, denn er wollte bei der Beerdigung seines Sohnes dabei sein. Der Tod von Mamoun hat ihn traumatisiert. "Es ist sehr schwer für ihn ohne Mamoun zu leben. Er ist blind und Mamoun hat ihn überall hingebracht, sogar zu seinen Terminen im Spital. Er ist sehr betroffen und sagt, er kann es nicht mehr aushalten. Manchmal ruft er noch nach Mamoun und dann erinnert er sich, er ist nicht mehr da. Er fühlt, er wird bald ohne Mamoun sterben."
Amna hat jetzt nichts mehr, ausser unbeantwortete Fragen und tiefen Schmerz. Mamoun war ihr einziges Kind. Sie hat den roten Ball mit dem Mamoun gespielt hatte als er getötet wurde aufgehoben. Sie bricht zusammen und weint, wenn sie über ihn spricht. "Schau auf das Bild an der Wand. Er war nur ein kleiner Junge. Ich möchte verstehen warum sie meinen Sohn getötet haben. Warum? Mein Mamoun war lieb zu allen Menschen und Tieren. Er hat niemanden ein Leid getan. Er hat eine streunende Katzen gefüttert und jetzt kommt sie immer noch vors Haus und wartet auf ihn. Ich erinnere mich wie er meine Füsse küsste und zu mir sagte, 'du bist mein Schatz, ich will dich immer in mein Herzen einschliessen.' Ich will nur wissen warum sie ihm mir genommen haben."
Israelische Todesdrohnen die über Gaza kreisen:

Das Trauma wird nicht nur von der Aldam-Familie getragen. Die Kinder in der Nachbarschaft sind auch durch den Tod von Mamoun gezeichnet. "Jedes Mal wenn die Kinder ein Flugzeug über ihre Köpfe hören, rennen sie schreiend und weinend ins Haus. Warum töten sie Kinder? Was habe sie getan? Warum die vielen Drohnen am Himmel, die unschuldige Menschen angreifen? Ich hielt Mamoun in meinen Armen als er starb und alles ist für mich damit zerstört. Ich hoffe er ist das letzte Kind welches in Palästina getötet wird."
Im Monat Juni 2012 wurden 16 Kinder verletzt und 3 getötet, einschliesslich Mamoun, durch mehrere israelische Angriff auf den Gaza-Streifen. Das gezielte Töten von Kindern, die besonderen Schutz als Zivilisten unterstehen, ist ein schweres Kriegsverbrechen, wie in den Artikeln 8(2)(a)(i) und 8(2)(b)(i) der Römischen Statuten des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) festgeschrieben.
Aus dem englischen Original von mir übersetzt.
Der IStGH mit Sitz in Den Haag soll Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit untersuchen, aburteilen und bestrafen. Warum gibt es niemanden der die israelische Regierung und die Verantwortlichen der israelischen Armee wegen der tausenden Morde von Zivilisten anklagt und vor Gericht bringt? Liegt es daran, dass Israel und dessen Beschützer die Vereinigten Staaten eine der wenigen Länder sind, die den Internationalen Strafgerichtshof aus verschiedenen Gründen nicht anerkennen?
Klar, wer andauern selber Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen begeht, wird sich einem Gericht welches diese verfolgt niemals unterstellen. Genau wie Israel auch nicht dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten ist und sich nicht der Kontrolle durch die IAEA unterstellt. Die Bösen sind ja nur die anderen. Selber darf man machen was man will, wie ungestraft Zivilisten aus der Luft mit Drohnen ermorden und die ganze Welt schaut tatenlos zu.
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